Loutro

Kreta

Loutro in Kreta

Von Julie Friedeberger

Julie FriedebergerHallo. Ich bin Julie Friedeberger und Yannis hat mich freundlicherweise darum gebeten, gelegentlich etwas zu "Explore Crete" beizutragen. Ich mache das wirklich gerne, denn ich liebe Kreta seit beinah 20 Jahren, immer seit dem mein Mann und ich die "Große Insel" in 1981 zum ersten Mal entdeckten.

Wir sind ziemlich viel herumgereist (bis ich in Loutro stecken geblieben bin!), doch immer nur oberflächlich, so dass Kreta uns immer wieder zurückgeholt hat.

In 1984, auf unserem Rückweg nach Sfakia von der Samaria Schlucht, hatten wir Loutro zum ersten Mal vom Deck der "Sofia" gesehen, eines der kleinen Fährboote, die vor den Riesen, die heute Kretas Südwest Küste befahren, existierten. Ich dachte: hierhin möchte ich eines Tages zurückkommen.

Wir brauchten acht Jahre um zurückzukehren, aber letztendlich schafften wir es in 1992 und dann nochmals in 1993. Seit jener Zeit sind Loutro, die Berge und das Meer in dieser Gegend für mich etwas ganz besonderes geworden. Ich bin immer glücklich, wenn ich wieder dort bin. Kreta hat eine sehr kraftvolle Energie, die aber dort besonders wirksam ist. Wie Marjeta sagt, "hier ist der Ort, wo man sich näher bei Gott fühlt, als irgendwo anders".

Als ich im Frühling 1994 allmählich von einer Brustkrebs-Operation genaß, war es Loutro wo ich gerne sein wollte, sobald ich wieder reisefähig war. Impulsiv buchte ich einen Flug für eine Woche Blumensehen und Spazierengehen und flog weg. Dort zu sein, in den Bergen zu wandern und im Meer zu baden half bei der Heilung und Wiedergewinnung meiner Energie. Und als ich nach England zurückkehrte war ich in der Lage, die Fäden meines alten Lebens wieder aufzunehmen.

Diese Woche in Loutro war ein Wendepunkt und spielte eine wesentliche Rolle bei meiner Heilung. Später, als ich über meine Erfahrungen mit Brustkrebs ein Buch schrieb, fügte ich einen Abschnitt über diese Reise und was dies mir gebracht hatte, bei. Und als Yannis mich bat etwas für "Explore Crete" zu schreiben, dachte ich sofort an diesen Abschnitt. Ich schickte es ihm zu, er mochte es, und hier ist es. Ich hoffe Sie mögen es auch.

Die Fotos sind von jenem Trip in 1994.

Loutro, ein Genesungs-Ort

Anfang März fühlte ich den ersten Drang, die Luft außerhalb meines Nestes zu schnuppern und wieder in den Strom des Lebens einzutauchen. Ganz impulsiv entschied ich mich nach Loutro, im Südwesten Kretas, zu fahren, für eine Woche im April. Klaus, mein Mann, und ich hatten dort zwei schöne Urlaube erlebt. Als ich Loutro Kretadaran dachte, sehnte ich mich danach, dort zu sein, in die Berge hineinzuwandern und in das Meer zu springen.

Ich buchte einen Blumen und Wandern Urlaub mit "Freelance Holidays", der von Jeff Collman, einem professionellen Botaniker, geleitet wurde. Ich hatte mir schon immer gewünscht "ernsthaf" in den Bergen um Loutro zu wandern, immer seit dem wir dort zum ersten Male waren. Doch war ich nicht bereit gewesen, es alleine in diesen total unbewohnten Hügeln zu wagen: es ist so leicht sich dort selbst zu verlieren, oder einen Knöchel zu brechen, meilenweit weg von allem. Bisher hatte ich immer nur kurze ungefähr eine Stunde dauernde Ausflüge vom Dorf aus gemacht; hier war eine Chance, weiter wegzugehen.

Loutro Kreta White Mountains"Wandern mit den Frühlings-Blumen" hört sich wie ein angenehmer, gemütlicher Spaziergang an, doch waren die meisten Wanderungen Tages-Expeditionen, die in die hohen und steilen, steinigen Hügel führten und ein echter Test für Ausdauer und Fitness waren. Ich bestand. Nur vier Monate nach der großen Operation war ich wieder fit: die Rucksackträger kratzten noch nicht einmal meine Narben.

Die Wanderungen waren herrlich. Der April-Himmel war klar, die Luft rein und frisch, die Blumen wunderschön - Felder voll, Hügelwände voll mit dunkelfarbigen, bunten und farbenprächtigen Mohnblumen und Anemonen und anderen, gewöhnlichen und seltenen, deren Namen ich nie lernte. Jeff kannte sie alle und mir gefiel es sehr sie zu sehen, doch war ich trunken mit meiner wirklichen Liebe, der wilden, nackten, majestätischen Landschaft des südlichen Kreta. Nach einer kurzen Prüfung von dem, was am Boden vor sich ging, lies ich meine Mit-Botaniker damit weitermachen und sah auf zu diesen herrlichen Bergen.

Loutro in Kreta, BlumenIch schwamm auch wann immer ich eine Möglichkeit hatte, manchmal mehrere Male am Tag: frühmorgens ehe wir losgingen, abends nach unserer Rückkehr, und im Laufe des Tages, wann immer unsere Route uns hinunter ans Meer brachte. Meine Vater brachte mir das Schwimmen bei, als ich fünf Jahre alt war. Ich habe damals sehr gern geschwommen, weil er auch gern schwamm, und seitdem habe ich es immer geliebt. Ehrlich gesagt liebe ich das Wasser - es zu trinken, darin zu baden oder eine Dusche zu nehmen, darin zu schwimmen, im Regen zu gehen. Nichts macht mich schneller munter oder weckt mich schneller auf als nass zu werden. Besonders am Meer. Dieser erste Moment des Eintauchens ist etwas so besonderes, fast heilig. Nach dem Schwimmen im Meer fühle ich mich immer erfrischt, neu belebt, voller Energie. Im Südwesten Kretas ist das Wasser besonders klar und sauber und lebhaft: es glitzert in der Sonne, reflektiert jeden Blau-Ton des Himmels. Es ist voller Lebenskraft, und darin zu sein reinigt und bereichert das Lebensgefühl.

Loutro liegt am Fuße von Kretas Weißen Bergen, den Lefka Ori; die Frühling-Schneeschmelze fließt in die Libysche See und kalte Quellen sprudeln aus dem Meeresboden hervor. Das Wasser ist selbst Mitte Juni kalt; Anfang April war es eisig. Ich sprang schnell hinein, tauchte vollständig unter, und, was ich schon immer getan hatte, zog die Träger meines Badeanzugs herunter, um so viel wie möglich von mir mit dem Wasser in Berührung zu bringen, entblößte meine Brüste - Loutro in Kretajetzt nur noch eine - dem Meer. Das kalte Salzwasser badete meine Wunde, floß eisig darüber hinweg, stimulierend und reinigend und heilend; innerhalb von zwei Minuten war die eisige Kälte tragbar und ich schwamm so lange bis es Zeit wurde, mit dem Wandern weiter zu machen.

Ein Abschnitt der 'Rig Veda' (einem alten Sanskrit Text) kam mir beim Schwimmen oft in den Sinn:

"In der Mitte des Wassers bewegt sich der Herr, beobachtet der Menschen Wahrheit und Lügen. Wie süß sind die Gewässer, kristall klar und reinigend! Mögen diese wundervollen Gewässer mich jetzt erquicken! "

Ich dachte daran, dass das letzte Mal als ich hier war, vor neun Monaten, ich noch zwei Brüste besaß. Jetzt, wie ich so schwimme, sehe ich nur noch eine. Ich ziehe immernoch die Träger herunter sobald ich im Wasser bin. Der Anblick ist jetzt anders. Eine Brust hängt herunter, die linke Seite ist flach, keine Brust mehr da. Es fühlt sich merkwürdig an. Die Tatsache hier zu sein, so anders, so kurz nachdem ich hier gewesen war, bringt alles in einen scharfen Gegensatz. Natürlich war der Tumor auch da, im letzten Juni, ohne dass ich das wusste.

Als ich nach Hause kam, schrieb ich in mein Tagebuch: "die Woche in Kreta hat mich dazu gebracht, mich wieder "normal" zu fühlen. Ich habe den Krebs vergessen. Nur eine Brust zu haben war in Ordnung. Für mich war es in jeder Beziehung eine gute Woche. Es war gut mich physisch anzustrengen. Es war gut in einer Gruppe mit fremden Leuten zu sein und damit zu Recht zu kommen, nur eine Brust zu haben. Es war gut alleine zu reisen, ohne Angst. Es war gut in Loutro willkommen geheißen zu werden von Rob und Bob und Alison und Maria und von den andern - es war als käme ich nach Hause."

Wandern um Loutro in Kreta

Duncan, einer meiner Yoga-Studenten, sagte zu mir, kurz nachdem ich aus dem Krankenhaus kam: "Tu was Dir Freude bringt". Kreta, so wie Kreta ist, bringt mir Freude. Schwimmen in Loutro, Marmara, Sweetwater bringt mir Freude. 'Wandern' in den Bergen bringt mir Freude. Lehren bringt mir Freude. Zusammen mit Klaus im Park spazieren zu gehen bringt mir Freude.

Und Peter, ein Mitglied unserer Wandergruppe, sagte: "Glücklich zu sein soll man niemals hinausschieben".

Bei unserem zweiten Spaziergang hoch auf dem Anopolis Plateau bemerkte Esje einen Baum, hielt an und rief ihrem Mann zu: "Peter - sind das wirklich Knospen an dem Baum dort?" Der Stamm war tot und kaputt, kein Holz, nur noch eine große Menge grauer Borke war übrig geblieben. Die meisten Äste waren tot. Aber überall waren Knospen im Begriff in Blüten aufzubrechen. Was für eine Leistung, was für ein Ergebnis, was für ein Glauben. Wie verwüstet der Körper auch sein mag, so können wir doch immer noch Knospen hervorbringen: wir blühen weiter.

Einer meiner Lieblings-Schwimmplätze in Kreta ist der Strand von Marmara, eine winzige Kieselstein-Bucht einige Meilen westlich von Loutro, mit noch klarerem und lebhafteren Wasser. Marmara heißt ,Marmor': alle Felsen in der Umgebung sind aus weißem Marmor und entlang der Küste, nach dem Strand, gibt es eine Reihe von Marmor-Höhlen. Die meisten haben nur einen Eingang, aber vor zwei Sommern entdeckte ich eine, in die ich durch eine Öffnung hinein, durch einen schmalen Engpass um eine Ecke herum, wo das Meer gegen die Felsen wirbelt, und durch eine anderen Öffnung wieder hinausschwimmen konnte. Drinnen war es dunkel und auch etwas unheimlich, aber atemberaubend, und seit jenem ersten Höhlen-Schwimmen hatte sie eine tiefe Bedeutung für mich: es war eine Metapher dafür, etwas durchzumachen und auf der anderen Seite wieder hinauszukommen. An unserem ersten Tag kamen wir spät am Nachmittag in Marmara an und ich schwamm in meine Höhle. Jetzt erhielt meine Metapher eine neue Bedeutung.

Loutro in Kreta, WildblumenNoch ein Eintrag aus meinem Tagebuch: "Nach Loutro zu fahren, war das Beste, was ich tun konnte. Abgesehen davon, dass es ein herrlicher Urlaub war, zeigte es mir, dass ich gesund bin, dass ich fit bin, dass ich damit zurecht komme. Ich habe niemals gefühlt, als ob ich gegen den Krebs kämpfen würde. Ich habe damit gelebt und von ihm gelernt. Ich bin damit fertig geworden. Und hier bin, auf der anderen Seite der Höhle. Mag sein, dass ich noch sehr viel schwimmen muss, aber dass hier habe ich getan: Ich bin in die Höhle geschwommen, in die Finsternis, um die Ecke gebogen, und auf der anderen Seite wieder hinausgeschwommen, ins Licht.

Und der Baum, der verfallene Stamm mit den Blüten, den Esje sah. Die zweite Metapher der Woche. So leben wir: mit Glauben, mit Vertrauen, wir tun was in unserer Natur liegt zu tun, wir tun das, was wir hier zu tun haben: erschaffen, erweitern, leben und wir fahren damit fort, bis wir sterben, wie zerstört der Körper auch sein mag.

Diese Woche war ein Wendepunkt. Sie kennzeichnete für mich das Ende meiner Genesung, und von dem was ich als meinen "Rückzug" betrachtete, der vier Monate dauerte, während denen ich versuchte mit all den Realitäten der Krebskrankheit fertig zu werden, und der Anfang meiner Rückkehr zum Leben und meiner Arbeit. "


Es war während jener Wocher vor sechs Jahren, dass ich mich entchied, so viel Zeit wie nur möglich in diesem Teil Kretas zu verbringen. Ich bin sehr oft zurückgekommen, zwei manchmal dreimal im Jahr, um in diesen Hügeln zu wandern, zu schwimmen, oder nur da zu sitzen und mich umzusehen. Es ist immer wieder wunderbar, immer stärkend und erfrischend. Es ist wirklich ein Ort der Heilung. Aber so ist die gesamte großartige Insel Kreta, und ich hoffe sie noch sehr oft zu besuchen. Kreta ist .... Heim.

Mein Buch heißt "A Visible Wound: A Healing Journey through Breast Cancer" ("Eine sichtbare Wunde: Eine Genesungsreise durch Brustkrebs") und wurde von Element Books in 1996 veröffentlicht. Hauptsächlich handelt es sich darum, wie ich mit der Hilfe von Yoga, welches ich seit vielen Jahren praktiziere und lehre, dieser Erfahrung überstand. Heute lehre ich Yoga Leuten mit Krebs und helfe dabei Lehrer zu trainieren, die sich dafür interessieren, auf diesem Gebiet zu arbeiten.

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Besuchen Sie die Foto-Gallerie von Loutro: Loutro, Foto Gallerie von Yannis Samatas





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